Schon als Kind begleitete mich eine tiefe, unerklärliche Traurigkeit. Es war das Gefühl, eine Fremde in meiner eigenen Zeit zu sein, als ob ich nicht ganz in die Welt passte, in die ich hineingeboren wurde. Wenn ich Bilder aus dem Zweiten Weltkrieg sah – die Gesichter in den Ghettos, die Schatten hinter dem Stacheldraht der Konzentrationslager – empfand ich ein Beben, das weit über bloße Empathie hinausging. Damals wusste ich nichts über meine Herkunft oder das Schicksal meiner Vorfahren. Aber die Seele scheint zu wissen, was der Verstand noch nicht begreifen kann.

Gesichter suchen in der Leere Als ich endlich die Wahrheit über meine Familie erfuhr, begann eine jahrelange, oft verzweifelte Suche. Ich blätterte unzählige Fotobücher durch, in der Hoffnung, ein vertrautes Merkmal in den anonymen Gesichtern der Opfer zu entdecken. Meine Familie war überzeugt: Es ist nichts mehr übrig. Alles wurde im Krieg zerstört, bis auf eine einzige Fotografie. Selbst die großen Archive in Yad Vashem, Arolsen und Washington hatten keine Antworten für mich. Nächte verbrachte ich damit, endlose digitale Transportlisten zu durchforsten, nur um immer wieder einer Leere gegenüberzustehen.
Ich hatte die Hoffnung fast aufgegeben. Doch Jahrzehnte später, in einer Welt, in der Archive ihre Schätze digitalisierten, geschah das Unmögliche. Auf einer Registrierungskarte aus dem Jahr 1920 aus der Stadt Łódź fand ich sie plötzlich: Benjamin, Perla, Julek, Józiek und natürlich Halina.

Clio und Quill: Ein Verlag für die Unvergessenen In diesem Moment, als ich ihre Namen schwarz auf weiß sah, wurde meine Suche zu einer Mission. Ich schrieb mein Buch „Was das Schweigen übrig ließ“, um ihnen ihre Stimmen zurückzugeben.

Aber Clio und Quill ist mehr als nur eine Begleitung zu meiner eigenen Geschichte.
Ich habe Clio und Quill als Verlag gegründet, weil ich fest davon überzeugt bin, dass jeder Mensch eine Geschichte zu erzählen hat, die es wert ist, bewahrt zu werden. Meine Vision ist es, nicht nur die Geschichte meiner eigenen Familie zu veröffentlichen, sondern einen Ort zu schaffen, der anderen Stimmen Raum gibt, die Gefahr laufen, im Schweigen verloren zu gehen.
Ich möchte Menschen dazu inspirieren, ihre eigenen Wurzeln zu erforschen und ihren Gedanken einen würdigen Platz zu geben. Clio und Quill bietet handverlesene Inspirationswerkzeuge – feine Begleiter, die als Anker für Erinnerungen dienen und Sie auf Ihrer Reise unterstützen – und dient gleichzeitig als verlegerische Heimat für Geschichten, die erzählt werden müssen. Denn wenn wir anfangen zu schreiben und zu bewahren, stellen wir sicher, dass nichts und niemand jemals wieder wirklich vergessen wird.

Viviane A. Grabik

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